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# WISO - Wirtschaft und Sozialkunde
> Prüfungsrelevante Themen für die Abschlussprüfung
---
## 1. Wirtschaft
### Wirtschaftssysteme
```
Wirtschaftssysteme
├── Planwirtschaft (Staatswirtschaft)
│ └── Staat plant und lenkt
├── Marktwirtschaft
│ ├──freie Marktwirtschaft (soziale Marktwirtschaft)
│ └──Preise durch Angebot und Nachfrage
└── Mixed Economy (gemischte Wirtschaft)
```
**Beispiele:**
- **Planwirtschaft**: DDR der Staat legte fest, wie viele Autos produziert werden
- **Freie Marktwirtschaft**: USA Preise entstehen durch Angebot & Nachfrage, kaum staatliche Eingriffe
- **Soziale Marktwirtschaft**: Deutschland Markt mit staatlichem Eingriff (Mindestlohn, Sozialversicherung)
### Wirtschaftssektoren
| Sektor | Beispiel |
|--------|----------|
| **Primär** | Landwirtschaft, Bergbau |
| **Sekundär** | Industrie, Handwerk |
| **Tertiär** | Dienstleistungen |
| **Quartär** | Forschung, Entwicklung |
**Praxisbeispiel:** Dein Ausbildungsbetrieb (IT-Dienstleister) ist im **Tertiär-Sektor**. Ein Software-Forschungslabor wäre **Quartär**.
### Unternehmen
#### Rechtsformen
| Rechtsform | Stammkapital | Haftung | Organe |
|-----------|--------------|---------|--------|
| **GmbH** | ≥25.000€ | Gesellschaft | GF, Gesellschafter |
| **UG** | ≥1€ | Gesellschaft | GF, Gesellschafter |
| **AG** | ≥50.000€ | Gesellschaft | Vorstand, Aufsichtsrat |
| **OHG** | - | Persönlich | Gesellschafter |
| **KG** | - | Komplementär: persönlich | Komplementär, Kommanditist |
| **Einzelunternehmen** | - | Persönlich | Inhaber |
**Beispiele aus der Praxis:**
- **GmbH**: Dein Ausbildungsbetrieb, lokaler IT-Dienstleister
- **AG**: SAP, Siemens, Deutsche Telekom (Aktien an der Börse)
- **UG**: Junger Freelancer gründet Webdesign-Startup mit 100€
- **Einzelunternehmen**: Lokaler PC-Reparateur, Freiberufler
- **OHG**: Zwei Freunde eröffnen gemeinsam ein IT-Systemhaus beide haften voll
#### Unternehmensziele
- **Ökonomisch**: Gewinnmaximierung, Umsatzwachstum
- **Ökologisch**: Umweltschutz, Nachhaltigkeit
- **Sozial**: Mitarbeiterzufriedenheit, Gesellschaft
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## 2. Recht
### Vertragsrecht
#### Vertragsarten
| Vertrag | Beschreibung | Beispiel |
|---------|--------------|---------|
| **Kaufvertrag** | Eigentumsübergang gegen Geld | Du kaufst einen Laptop beim Händler |
| **Werkvertrag** | Herstellung eines Werkes | Programmierer entwickelt eine App für Kunde |
| **Dienstvertrag** | Arbeitsleistung | Dein Ausbildungsvertrag, Arbeitsvertrag |
| **Mietvertrag** | Überlassung gegen Miete | Büroräume mieten, Server-Housing |
> **Wichtiger Unterschied Werk- vs. Dienstvertrag:**
> - Werkvertrag: Der Erfolg (das fertige Werk) wird geschuldet. Wenn die App nicht funktioniert, muss nachgebessert werden.
> - Dienstvertrag: Nur die Arbeitsleistung wird geschuldet. Egal ob das Ergebnis gut ist die Stunden werden bezahlt.
### Arbeitsrecht
#### Tarifvertrag
Ein **Tarifvertrag** ist eine Vereinbarung zwischen einer Gewerkschaft (z.B. ver.di, IG Metall) und einem Arbeitgeberverband über Arbeitsbedingungen.
**Inhalte eines Tarifvertrags:**
- Mindestlöhne / Gehaltstabellen
- Arbeitszeiten (z.B. 35-Stunden-Woche)
- Urlaubstage (z.B. 30 Tage)
- Zuschläge (Nachtarbeit, Überstunden, Weihnachtsgeld)
**Beispiel:**
> Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) legt fest:
> - Auszubildende im 1. Lehrjahr: ~620€ brutto
> - Auszubildende im 3. Lehrjahr: ~750€ brutto
> - 39 Stunden/Woche, 30 Tage Urlaub
**Arten von Tarifverträgen:**
| Art | Beschreibung | Beispiel |
|-----|-------------|---------|
| **Flächentarifvertrag** | Gilt für ganze Branche | IG Metall für alle Metallbetriebe in Bayern |
| **Haustarifvertrag** | Gilt nur für ein Unternehmen | VW-eigener Tarifvertrag |
| **Lohntarifvertrag** | Regelt nur Löhne | Stundenlöhne für Bauarbeiter |
| **Manteltarifvertrag** | Regelt allgemeine Bedingungen | Urlaub, Arbeitszeit, Kündigungsfristen |
#### Rechte und Pflichten
**Arbeitnehmer:**
- Arbeitsleistung nach Weisung
- Sorgfaltspflicht
- Treuepflicht
**Arbeitgeber:**
- Vergütungspflicht
- Schutzpflicht
- Fürsorgepflicht
**Beispiel Treuepflicht:** Du darfst während der Ausbildung nicht nebenbei für einen direkten Konkurrenten deines Betriebs arbeiten.
**Beispiel Fürsorgepflicht:** Dein Arbeitgeber muss einen ergonomischen Arbeitsplatz bereitstellen und dich nicht in gefährliche Situationen ohne Schutzausrüstung schicken.
#### Kündigung
| Art | Beschreibung | Beispiel |
|-----|-------------|---------|
| **Ordentliche Kündigung** | Fristgemäß | Arbeitnehmer kündigt mit 4 Wochen Frist zum 15. oder Monatsende |
| **Außerordentliche** | Fristlos bei wichtigem Grund | Arbeitnehmer hat Geld aus der Kasse gestohlen |
| **Betriebsbedingte** | wirtschaftliche Gründe | Abteilung wird geschlossen, 10 Stellen fallen weg |
| **Personenbedingte** | persönliche Gründe | Langzeitkrankheit, Entzug des Führerscheins bei Fahrer |
| **Verhaltensbedingte** | Fehlverhalten | Wiederholtes Zuspätkommen trotz Abmahnung |
> **Wichtig:** Vor einer verhaltensbedingten Kündigung muss immer eine **Abmahnung** erfolgen (außer bei schweren Vergehen wie Diebstahl).
#### Ausbildungsrecht (BBiG)
**Besonderheiten im Ausbildungsverhältnis:**
- Probezeit: 14 Monate (üblicherweise 3 Monate)
- Während Probezeit: Kündigung jederzeit ohne Frist möglich
- Nach Probezeit Azubi: Nur aus wichtigem Grund fristlos (z.B. Ausbildung aufgeben)
- Nach Probezeit Betrieb: Fristlos bei wichtigem Grund (z.B. Diebstahl)
**Beispiel Probezeit:**
> Max beginnt seine Ausbildung am 01.09. Nach 6 Wochen merkt der Betrieb, dass Max häufig fehlt und unmotiviert ist. Da noch Probezeit ist, kann der Betrieb ohne Angabe von Gründen kündigen.
#### Sozialversicherungen
Die fünf Sozialversicherungen in Deutschland alle werden je zur Hälfte von Arbeitnehmer (AN) und Arbeitgeber (AG) gezahlt:
| Versicherung | Beitragssatz (ca.) | Wer zahlt | Leistung |
|-------------|-------------------|-----------|---------|
| **Krankenversicherung** | ~14,6% | AN + AG je 50% | Arztbesuche, Krankenhaus |
| **Rentenversicherung** | 18,6% | AN + AG je 50% | Rente im Alter |
| **Arbeitslosenversicherung** | 2,6% | AN + AG je 50% | ALG I bei Jobverlust |
| **Pflegeversicherung** | ~3,4% | AN + AG je 50% | Pflegekosten im Alter |
| **Unfallversicherung** | variabel | **nur AG** | Berufsunfälle |
**Beispielrechnung Bruttogehalt 2.500€:**
```
Brutto: 2.500,00 €
- Krankenversicherung (7,3%): -182,50 €
- Rentenversicherung (9,3%): -232,50 €
- Arbeitslosenversicherung (1,3%): -32,50 €
- Pflegeversicherung (1,7%): -42,50 €
- Lohnsteuer (ca.): -280,00 €
----------
Netto (ca.): 1.730,00 €
```
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## 3. Marketing
### Marketing-Instrumente (4P)
```
Produkt (Product)
├── Qualität
├── Design
├── Verpackung
└── Marke
Preis (Price)
├── Preispolitik
├── Rabatte
└── Zahlungsbedingungen
Standort (Place)
├── Vertriebskanäle
└── Logistik
Kommunikation (Promotion)
├── Werbung
├── PR
├── Verkaufsförderung
└── Direktmarketing
```
**Praxisbeispiel Apple iPhone:**
- **Produkt**: Hohe Qualität, schlichtes Design, starke Marke
- **Preis**: Premiumpreis (~1.200€) Hochpreissegment
- **Place**: Apple Stores, Online-Shop, ausgewählte Händler
- **Promotion**: Große Launch-Events, wenig Rabatte, Mundpropaganda
**Praxisbeispiel lokaler IT-Dienstleister:**
- **Produkt**: PC-Reparatur, Netzwerk-Setup
- **Preis**: Stundensatz 80€, Flatrate-Verträge
- **Place**: Ladenlokal + Vor-Ort-Service beim Kunden
- **Promotion**: Google-Werbung, Empfehlungen, lokale Zeitung
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## 4. Controlling
### Kennzahlen
#### Rentabilität
```
Umsatzrentabilität = Gewinn / Umsatz × 100
Eigenkapitalrentabilität = Gewinn / Eigenkapital × 100
Gesamtkapitalrentabilität = (Gewinn + Zinsen) / Gesamtkapital × 100
```
**Beispiel Umsatzrentabilität:**
> IT-Firma macht 500.000€ Umsatz und 40.000€ Gewinn.
> Umsatzrentabilität = 40.000 / 500.000 × 100 = **8%**
> → Von jedem verdienten Euro bleiben 8 Cent Gewinn übrig.
**Beispiel Eigenkapitalrentabilität:**
> Eigenkapital: 200.000€, Gewinn: 40.000€
> EK-Rentabilität = 40.000 / 200.000 × 100 = **20%**
> → Das eingesetzte Kapital wirft 20% Rendite ab (zum Vergleich: Sparbuch ~2%)
#### Liquidität
```
Liquidität 1. Grades = (flüssige Mittel / kurzfr. Verb.) × 100
Liquidität 2. Grades = ((flüssige Mittel + Forderungen) / kurzfr. Verb.) × 100
Liquidität 3. Grades = (Umlaufvermögen / kurzfr. Verb.) × 100
```
**Beispiel:**
> Firma hat: 10.000€ Bargeld/Bank, 30.000€ offene Rechnungen, 20.000€ Waren
> Kurzfristige Verbindlichkeiten: 25.000€
>
> - Liquidität 1. Grades = 10.000 / 25.000 × 100 = **40%** (unter 100% → kritisch!)
> - Liquidität 2. Grades = (10.000 + 30.000) / 25.000 × 100 = **160%** (gut, > 100%)
> - Liquidität 3. Grades = (10.000 + 30.000 + 20.000) / 25.000 × 100 = **240%** (sehr gut)
> **Faustregel:** Liquidität 2. Grades sollte > 100% sein sonst kann das Unternehmen kurzfristige Schulden nicht bezahlen!
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## 5. Finanzierung
### Finanzierungsarten
| Art | Quelle | Beispiel |
|-----|--------|---------|
| **Innenfinanzierung** | Gewinn, Abschreibungen | Gewinn wird nicht ausgeschüttet, sondern reinvestiert |
| **Außenfinanzierung** | Eigenkapital, Fremdkapital | Neuer Gesellschafter bringt Kapital ein |
| **Selbstfinanzierung** | Einbehaltene Gewinne | IT-Firma kauft neue Server aus dem Jahresgewinn |
| **Fremdfinanzierung** | Kredite, Darlehen | Bankkredit für neue Büroausstattung |
**Praxisbeispiel:**
> Dein Ausbildungsbetrieb will für 50.000€ neue Server kaufen.
> - **Option 1 (Innen)**: Gewinn aus dem letzten Jahr nutzen → keine Zinsen, aber weniger Puffer
> - **Option 2 (Außen/Fremd)**: Bankkredit mit 4% Zinsen → 2.000€ Zinsen/Jahr, aber Liquidität bleibt erhalten
### Kostenrechnung
```
Kostenarten:
├── Materialkosten (z.B. Kabel, Festplatten)
├── Personalkosten (z.B. Gehälter der Techniker)
├── Abschreibungen (z.B. PC verliert jährlich an Wert)
└── Sonstige Kosten (z.B. Miete, Strom, Versicherung)
Kostenstellen:
├── Material (Einkauf)
├── Fertigung (Produktion/Montage)
├── Verwaltung (Buchhaltung, Geschäftsführung)
└── Vertrieb (Außendienst, Marketing)
```
**Beispiel Abschreibung:**
> Ein Laptop kostet 1.200€ und wird 3 Jahre genutzt.
> Abschreibung = 1.200 / 3 = **400€ pro Jahr**
> Nach 3 Jahren: Buchwert = 0€ (vollständig abgeschrieben)
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## 6. Rechtsformen der Unternehmen
### GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)
- Mindestkapital: 25.000€
- Haftung: Nur Gesellschaftsvermögen
- Organe: Geschäftsführer, Gesellschafterversammlung
**Beispiel:** Zwei IT-Fachleute gründen zusammen eine GmbH. Sie legen je 12.500€ ein. Geht die Firma pleite, verlieren sie maximal diese 25.000€ ihr Privatvermögen (Auto, Ersparnisse) ist sicher.
### UG (Unternehmergesellschaft)
- Mindestkapital: 1€
- Haftung: Nur Gesellschaftsvermögen
- Pflicht: 25% des Gewinns in Rücklage
**Beispiel:** Ein Azubi gründet nebenberuflich eine UG für sein Webdesign-Projekt mit 500€. Macht er 4.000€ Gewinn, muss er 1.000€ in die Rücklage legen, bis er 25.000€ angespart hat und zur GmbH wechseln kann.
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## 7. Datenschutz (DSGVO)
### Grundsätze
| Grundsatz | Bedeutung | Beispiel |
|-----------|-----------|---------|
| **Rechtmäßigkeit** | Daten nur mit Rechtsgrundlage | Einwilligung des Nutzers einholen |
| **Zweckbindung** | Daten nur für angegebenen Zweck | E-Mail für Newsletter ≠ Weitergabe an Dritte |
| **Datenminimierung** | Nur nötige Daten erheben | Geburtsdatum nur wenn wirklich nötig |
| **Richtigkeit** | Daten müssen aktuell sein | Adressänderung muss eingepflegt werden |
| **Speicherbegrenzung** | Nicht länger als nötig speichern | Bewerberdaten nach 6 Monaten löschen |
| **Integrität & Vertraulichkeit** | Sichere Verarbeitung | Verschlüsselung, Zugriffsschutz |
### Betroffenenrechte
| Recht | Beispiel |
|-------|---------|
| **Auskunft** | "Welche Daten habt ihr von mir?" |
| **Berichtigung** | "Meine Adresse hat sich geändert, bitte aktualisieren" |
| **Löschung** | "Bitte löscht mein Konto und alle meine Daten" |
| **Datenübertragbarkeit** | "Ich wechsle zu einem anderen Anbieter, gebt mir meine Daten" |
| **Widerspruch** | "Ich möchte keine Werbemails mehr erhalten" |
**Praxisbeispiel Datenpanne:**
> Ein Mitarbeiter verliert einen USB-Stick mit 500 Kundendaten (Namen, Adressen, E-Mails).
> Das Unternehmen muss:
> 1. Datenpanne innerhalb von **72 Stunden** der Datenschutzbehörde melden
> 2. Betroffene Kunden informieren
> 3. Mögliche Bußgelder: bis zu 20 Mio. € oder 4% des Jahresumsatzes
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*Stand: 2024 | Quelle: KMK Rahmenlehrplan*